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Wie freies Spiel den Kinderschlaf stärkt & warum weniger oft mehr ist

  • Autorenbild: Christina | Iplay.myway
    Christina | Iplay.myway
  • 26. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Juni 2025

Es gibt Tage, an denen Kinder abends kaum zur Ruhe kommen: Sie sind „überdreht“, wirken aufgedreht – und schlafen trotzdem schlecht. Häufig sind das genau die Tage, an denen besonders viel Action war: Ein aufregender Ausflug, ein Kindergeburtstag mit Programm von A bis Z, oder stundenlange Bespaßung durch Erwachsene.

Foto: Iplay.myway | Baustelle MAI 2025
Foto: Iplay.myway | Baustelle MAI 2025

Aber warum eigentlich? Sollte man meinen, dass müde Kinder gut schlafen – oder?


Nicht ganz. Denn müde ist nicht gleich erschöpft, und Erschöpfung ist nicht gleich bereit zum Schlaf.


Der natürliche Rhythmus: Was Kinder wirklich brauchen

Kinder sind kleine Forscherwesen. Sie entdecken ihre Welt mit allen Sinnen – ganz besonders im freien, selbstbestimmten Spiel. Und genau dort liegt ein Schlüssel zu mehr innerer Ausgeglichenheit und gutem Schlaf: Freies Spiel schenkt Kindern Raum für Selbstregulation. Sie entscheiden selbst, was sie gerade brauchen – ob wildes Toben oder leises Sortieren, ob kreative Rollenspiele oder einfach nur Matschen, Kneten, Fühlen.


Dabei verarbeiten sie Eindrücke, bauen innere Spannungen ab und kommen auf ihre ganz eigene Art zur Ruhe – ohne dass es jemand von außen steuert. Dieses selbstregulierte Erleben macht Kinder nicht nur stabiler im Alltag, sondern auch abends empfänglicher für Schlaf.


Schlafberaterin Yasemin Gassner erklärt dieses Geschehen auf körperlicher Ebene:

"Tatsächlich beeinflussen bestimmte körperliche und hormonelle Prozesse direkt, wie gut ein Kind abends zur Ruhe kommt. Und freies Spiel – das heißt Spiel, das vom Kind selbst gesteuert wird, ohne äußeren Leistungs- oder Zeitdruck – unterstützt diese Prozesse auf mehreren Ebenen.


Cortisol und Melatonin – Gegenspieler im Tag-Nacht-Rhythmus

Cortisol, unser „Stresshormon“, folgt einem natürlichen Tagesverlauf: Es ist morgens am höchsten, um uns zu aktivieren und hilft uns wach in den Tag zu starten, und sinkt im Tagesverlauf langsam ab.


Bei Kindern, die tagsüber unter Druck stehen – durch Reizüberflutung, getaktete Programme oder ständiges „Funktionieren“ – bleibt der Cortisolspiegel oft unnatürlich hoch. Das ist problematisch, denn: Cortisol ist ein Gegenspieler von Melatonin, dem Hormon, das abends den Schlaf einleitet. Ist der Cortisolspiegel abends zu hoch, wird die Melatoninproduktion gehemmt – das Einschlafen fällt schwerer, der Schlaf wird unruhiger.


Freies Spiel hingegen fördert innere Entspannung, reduziert Stress und lässt den Cortisolspiegel natürlich abflachen – so wie es der Körper braucht, um in den Schlafmodus zu kommen.


Serotonin – Wohlgefühl und Schlafvorbereitung

Im freien Spiel erleben Kinder Freude, Selbstbestimmung und Erfolgsmomente. Dabei wird Serotonin ausgeschüttet – ein Neurotransmitter und unser „Glückshormon“, der für innere Ausgeglichenheit sorgt.


Was viele nicht wissen: Serotonin ist die Vorstufe von Melatonin. Ein Kind, das tagsüber in einem emotional stabilen, selbstbestimmten Zustand war, hat also auch auf biochemischer Ebene die besten Voraussetzungen, um abends ausreichend Melatonin zu bilden – und damit leichter einzuschlafen."


Vom Spiel zur Ruhe: Wie freies Tun beim Runterkommen hilft

Kinder, die tagsüber also ausreichend Zeit für freies Spiel hatten, zeigen oft abends ein anderes Verhalten: Sie haben sich selbst gespürt, waren im eigenen Rhythmus unterwegs und konnten Gefühle, Gedanken und Fantasien ausleben bzw. verarbeiten. Das macht sie nicht nur ausgeglichener, sondern auch emotional sicherer – eine wichtige Grundlage für guten Schlaf.


Fazit:

Statt immer noch mehr Programm – lieber Raum für echtes Spiel. Statt Dauerbespaßung – Vertrauen in das, was Kinder von sich aus mitbringen. So wird der Alltag nicht nur entspannter, sondern auch die Nächte ruhiger.



Beitrag erstellt in Zusammenarbeit mit Yasemin Gassner.



Yasemin Gassner

Still-, Schlaf-

& Beikostberaterin






Christina Tappler, MA

Gründerin von iplay.myway

zweifach Mama & Pikler (R) Pädagogin i.A.

 
 
 

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